Christina Christiansen
10.03.2026 I Lerncoaching I Lesezeit: 10 Minuten
Als Kind liebte Carmen die Schule.
Wenn die Glocke das Unterrichtsende einläutete und ihre Mitschüler erleichtert aus dem Klassenzimmer stürmten, hätte sie gern noch ein paar Aufgaben gerechnet, noch ein Gedicht geschrieben oder noch eine Geschichte gelesen. Lernen war für sie ein Vergnügen. Dass viele Kinder das alles „doof“ fanden, konnte sie kaum nachvollziehen.
Heute ist Carmen 16 und Schule nervt.
Ob es einen bestimmten Moment gab, ab dem alles kippte, weiß sie nicht mehr. Irgendwann jedenfalls begann sich das Lernen anders anzufühlen. Wo früher Neugierde war, ist heute vor allem Druck. Wo früher Freude war, ist jetzt Anspannung. Carmens einzige Motivation, morgens zur Schule zu gehen, sind ihre Freunde.
Auch von den Einsern aus der Grundschule ist wenig geblieben. So stehen auf dem Zeugnis heute meist Dreien und Vieren. Die glücklichen Schultage liegen so weit zurück, dass Carmen sich hieran kaum noch erinnern kann. Das dominierende Gefühl ist inzwischen „Ich kann das nicht“ und „Schule ist doof“. Oft fühlt Carmen sich wie eine Versagerin.
Wenn gute Schüler plötzlich nachlassen
Carmens Geschichte ist keineswegs ungewöhnlich. Andere Eltern erleben etwas Ähnliches: Ein Kind, das in der Grundschule neugierig, wissbegierig und schnell lernend war, verliert in der Mittelstufe plötzlich an Leistung. Die Noten sinken, die Motivation verschwindet und die Schule wird zu einer Pflichtveranstaltung.
Gerade bei intelligenten oder hochbegabten Schülern tritt dieses Phänomen häufig auf.
Der Grund liegt selten in mangelnder Begabung. Häufig liegt er vielmehr in einem strukturellen Spannungsverhältnis zwischen individuellem Denken und schulischen Standards.
Wie das Schulsystem Leistung bewertet
Der schulische Unterricht orientiert sich an sogenannten Bildungsstandards. Diese werden in Deutschland von der Kultusministerkonferenz für bestimmte Jahrgangsstufen definiert. Diese Standards legen fest, welche Kompetenzen Schüler zu einem bestimmten Zeitpunkt beherrschen sollen. Dieses System ist auf Vergleichbarkeit ausgelegt und die Schule bewertet anschließend, wie gut ein Schüler diese Anforderungen erfüllt.
Warum gerade hochbegabte Schüler Schwierigkeiten bekommen
Viele besonders intelligente Schüler haben Eigenschaften, die im schulischen Alltag nur begrenzt gefragt sind: • Sie stellen bestehende Annahmen in Frage • Sie denken in Zusammenhängen • Sie entwickeln eigene Lösungswege • Sie interessieren sich für Themen jenseits des Lehrplans
Diese Fähigkeiten sind später in Wissenschaft, Wirtschaft oder Politik außerordentlich wertvoll, können aber im schulischen Kontext zum Problem werden, da der Unterricht häufig nach einem anderen Prinzip der Standardisierung funktioniert.
Es geht darum, eine Aufgabe in einer bestimmten Weise zu lösen, nicht unbedingt darum, sie neu zu denken. Sie passen sich an, erledigen nur noch das Nötigste und investieren ihre Energie in andere Interessen. Es ist so als würden sie gerade mal Dienst nach Vorschrift machen. Die Folge sind natürlich sinkende Noten und ein Gefühl des persönlichen Versagens.
Nach der Schule wird es anders
Interessanterweise zeigt sich ein wiederkehrendes Muster: Viele dieser Schüler blühen erst im Studium oder im Berufsleben wieder auf.
Dort verändern sich die Anforderungen: • Transferdenken wird wichtiger • Eigene Ideen werden geschätzt • Komplexe Probleme haben mehrere Lösungen
Genau hier liegen oft die Stärken dieser Menschen. Was in der Schule als „schwierig“ galt, wird später zur entscheidenden Kompetenz.
"Noten sind kein Maß für Intelligenz"
Ich habe es selbst erlebt
Auch meine eigene Schulzeit folgte diesem Muster. Ab der 7. Klasse wurden meine Noten zunehmend schlechter. In der 10. Klasse stand sogar meine Versetzung zeitweise zur Diskussion. Mein Abitur schloss ich mit einem Durchschnitt von 3,2 ab.
Heute habe ich drei Universitätsabschlüsse und da ich während des Studiums noch freie Kapazitäten hatte, lernte ich mehrere Fremdsprachen, erwarb zusätzliche Zertifikate und engagierte mich politisch. Noch heute liebe ich es, zu lernen, zu forschen und tief in ein Thema einzudringen. Erst mit 35 Jahren stellt ein Test meine Hochbegabung fest.
Diese Erfahrung zeigt klar: Schulnoten messen die individuelle Anpassung an ein System, aber nicht das Potenzial eines Menschen.
Aber Schulnoten haben eine große Macht, da sie unser Selbstbild prägen und beeinflussen, welchen Bildungsweg wir nach der Schule einschlagen.
Lerncoaching kann gerade klugen Schülern helfen
Für viele leistungsfähige Jugendliche liegt die Lösung nicht darin, „mehr zu lernen“. Entscheidend ist, zu verstehen, wie ihr eigenes Denken funktioniert. Ein gutes Lerncoaching vermittelt daher nicht nur Lerntechniken. Es hilft Jugendlichen, • ihre eigene Denkweise zu verstehen • effektive Lernstrategien zu entwickeln • mit Leistungsdruck umzugehen • ihr Selbstvertrauen wieder aufzubauen
Gerade intelligente Schüler profitieren davon, wenn sie zwei Dinge gleichzeitig lernen: 1. Das System Schule strategisch zu meistern 2. Ihre eigenen Fähigkeiten bewusst einzusetzen Dann wird Schule zu einem Ort des Lernens und der Freude.
Lernen darf Spaß machen und sich leicht anfühlen.
Lass Sie uns darüber sprechen, wie Lerncoaching Ihrem Kind die Schulzeit erleichtern und sein Potenzial gezielt entfalten kann.